300 Jahre Pfarrhaus Rötha

2 Juli

Mit diesem Beitrag möchten wir Ihnen ein Gebäude nahebringen, dass so viel mehr ist als das Bauwerk am Johann-Sebastian-Bach-Platz mit seinen geschichtsträchtigen Räumen, den dicken Mauern und verborgenen Hölzern, den beiden Dachböden und schauerlich tiefen Kellern.

Es ist tatsächlich das Herz unserer Kirch-Gemeinschaft, das auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Hier wohnten Generationen von Pfarrern, wuchsen Hunderte von Pfarrerskindern auf und zogen von hier, mit dem Pfarrhausgedanken geimpft, in die Welt.

Ja, der „Pfarrhausgedanke“ ist ein bisschen verloren gegangen in letzter Zeit. Er bedeutet nichts anderes als Offenheit und zugeneigt sein allen gegenüber, die ein und ausgehen; Menschen, denen man begegnet, zuzuhören… und das ist gottlob überall möglich; ein Ort, sich zu treffen, ist jedoch dabei hilfreich.  

Die Völkerschlacht bei Leipzig – das Hauptquartier im Röthaer Schloss:  in Sichtweite unser Pfarrhaus! Diakonus Gruner hat diese Geschehnisse eindrücklich aufgeschrieben, sie sind zum Glück im Pfarrarchiv Rötha nachzulesen. Pfarrer Lindner hat hier gelebt und eine Chronik der Kriegsereignisse 1914-1919 verfasst. Und vor genau 50 Jahren, am 19. Januar 1975, begann für uns, Familie Steinbach, hier die wohl schönste Zeit unseres Lebens. Mit zwei kleinen Kindern zogen wir ein, bekamen noch ein drittes und blieben nach zehn Jahren im Pfarrhaus auch weiterhin der Stadt treu.

Was damals so herrlich war während der DDR-Zeit: die Offenheit des Pfarrhauses mit vielen Gesprächsmöglichkeiten und Veranstaltungen. Das kann man heute auch anderswo finden oder man sucht es nicht mehr. Auch zahlenmäßig ist die Kirchgemeinde kleiner geworden und „die Kirche“ muss rechnen…

Aber hier im Pfarrhaus Rötha brennt noch ein Feuer mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre und Jahrhunderte. Es ist ein kleiner Kreis von Leuten, die „pfarrhausgeimpft“ sind, um im Bild zu bleiben. Der Förderverein Pfarrhaus Rötha sucht nach neuen Formen, um das alte Pfarrhaus mit neuen Möglichkeiten zu erhalten und zu beleben.

Brigitte Steinbach